Das Wichtigste in Kürze
- Notfall: Bei Verdacht auf Herzinfarkt sofort 112 anrufen. Jede Minute zählt.
- Frauen haben häufiger untypische Symptome: Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen im Oberbauch, Rücken, Kiefer oder zwischen den Schulterblättern, starke Erschöpfung.
- Der klassische Brustschmerz kann fehlen oder schwächer sein.
- Frauen rufen im Schnitt später den Notruf – und werden dadurch später behandelt.
- Besondere Risikofaktoren: Diabetes, Rauchen, Wechseljahre, Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie.
Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt rufen Sie sofort den Notruf 112 an – auch nachts, auch am Wochenende, auch wenn Sie unsicher sind. Warten Sie nicht ab, ob die Beschwerden vergehen. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Diagnose.
Warum der Herzinfarkt bei Frauen unterschätzt wird
Das Bild vom Herzinfarkt ist männlich geprägt: ein Mann mittleren Alters, der sich mit starkem Schmerz an die Brust greift. Bei Frauen verläuft der Infarkt häufig anders. Die Folge: Betroffene selbst, Angehörige und manchmal auch medizinisches Personal denken nicht sofort an das Herz. Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung vergeht bei Frauen im Schnitt mehr Zeit bis zum Notruf als bei Männern.
Die Anzeichen
| Klassisch (bei beiden Geschlechtern möglich) | Bei Frauen häufiger |
|---|---|
| Starker Druck, Enge oder Brennen in der Brust, länger als fünf Minuten | Atemnot, Kurzatmigkeit |
| Ausstrahlung in linken Arm, Hals, Kiefer | Übelkeit, Erbrechen |
| Kalter Schweiß, Blässe | Schmerzen im Oberbauch, oft als Magenproblem gedeutet |
| Angst, Unruhe | Schmerzen im Rücken oder zwischen den Schulterblättern |
| plötzliche, unerklärliche Erschöpfung |
Risikofaktoren bei Frauen
- Diabetes erhöht das Risiko bei Frauen besonders stark.
- Rauchen, vor allem in Kombination mit hormoneller Verhütung.
- Wechseljahre: Der schützende Effekt der Östrogene lässt nach.
- Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie oder Schwangerschaftsdiabetes erhöhen das Risiko später im Leben.
- Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Übergewicht, Bewegungsmangel.
- Psychischer Stress und Depression.
Nach dem Herzinfarkt: zurück ins Leben
Nach der Akutbehandlung folgen meist eine Anschlussheilbehandlung und mehrere Wochen Arbeitsunfähigkeit. Viele Frauen kehren in den Beruf zurück, manche mit reduzierter Stundenzahl. Wie es mit Krankengeld, Reha und Wiedereinstieg läuft, lesen Sie unter Herzinfarkt: Arbeitsunfähigkeit und Rückkehr in den Job.
Frauen verdienen im Schnitt weniger, arbeiten häufiger in Teilzeit und haben dadurch geringere Ansprüche auf Krankengeld und Erwerbsminderungsrente. Eine Schwere-Krankheiten-Versicherung, die bei Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs zahlt, kann diese Lücke verkleinern. Mehr dazu unter Krebsversicherung für Frauen.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter sind Frauen gefährdet?
Vor den Wechseljahren schützen Östrogene bis zu einem gewissen Grad. Danach steigt das Risiko deutlich an. Herzinfarkte kommen aber auch bei jüngeren Frauen vor – besonders bei Rauchen, Diabetes, familiärer Belastung oder hormoneller Verhütung in Kombination mit Rauchen.
Was ist eine SCAD?
Die spontane Koronararterien-Dissektion ist ein Einriss in der Wand eines Herzkranzgefäßes. Sie betrifft überwiegend jüngere Frauen, oft ohne klassische Risikofaktoren, und kann auch in der Schwangerschaft oder nach der Geburt auftreten.
Soll ich bei unklaren Beschwerden wirklich den Notruf wählen?
Ja. Bei plötzlicher Atemnot, Brustdruck, Übelkeit mit kaltem Schweiß oder unerklärlicher Schwäche lieber einmal zu oft 112 wählen. Fahren Sie nicht selbst ins Krankenhaus.
Quellen
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche, rechtliche oder steuerliche Beratung. Sozialrechtliche Werte (z. B. Krankengeld, Pauschbeträge) gelten für 2026 und können sich ändern. Leistungen einer Schwere-Krankheiten- oder Krebsversicherung richten sich immer nach den Bedingungen des jeweiligen Tarifs.





