Das Wichtigste in Kürze
- Nach 6 Wochen Lohnfortzahlung sinkt das Einkommen auf Krankengeld – meist eine Lücke von mehreren Hundert Euro im Monat.
- Krankengeld gibt es höchstens 78 Wochen; danach drohen Arbeitslosengeld oder Erwerbsminderungsrente mit deutlich weniger Geld.
- Zusatzkosten wie Zuzahlungen, Fahrten, Haushaltshilfe und Anschaffungen belasten zusätzlich.
- Wichtige Entlastungen: Zuzahlungsbefreiung, Schwerbehindertenausweis, Steuervorteile, Reha mit Übergangsgeld, Härtefonds.
- Den größten Spielraum verschafft eine private Einmalzahlung – sie muss aber abgeschlossen sein, bevor die Diagnose kommt.
Warum Krebs auch eine finanzielle Belastung ist
Rund 517.800 Menschen erkrankten in Deutschland im Jahr 2023 neu an Krebs. Die Behandlung ist medizinisch heute oft erfolgreich – die Mehrheit der Betroffenen lebt fünf Jahre nach der Diagnose noch. Doch Therapie, Reha und Erholung dauern häufig viele Monate, manchmal Jahre. In dieser Zeit laufen die Kosten des Lebens weiter, während das Einkommen sinkt.
Wie stark jemand betroffen ist, hängt vor allem davon ab, ob er angestellt oder selbstständig ist, wie lange die Erkrankung dauert und wie gut er vorgesorgt hat. Die folgenden Abschnitte zeigen die wichtigsten Phasen.
So verändert sich das Einkommen, wenn eine Krebsbehandlung viele Monate dauert.
- Woche 1–6100 % GehaltEntgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber
- Woche 7–78Krankengeldoft rund 75–80 % des Nettos, max. 135,63 €/Tag brutto (2026)
- danachAussteuerungArbeitslosengeld (Nahtlosigkeit) oder Erwerbsminderungsrente – Ø rund 1.100 € brutto
Vereinfachte Darstellung. Selbstständige ohne Krankentagegeld haben ab dem ersten Krankheitstag kein Einkommen.
Phase 1: Die ersten sechs Wochen – Lohnfortzahlung
Angestellte erhalten nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz sechs Wochen lang ihr volles Gehalt vom Arbeitgeber, wenn sie wegen derselben Krankheit arbeitsunfähig sind. In dieser Phase ändert sich finanziell wenig.
Selbstständige haben diesen Schutz nicht. Ohne Krankentagegeld oder Wahltarif der Krankenkasse fällt ihr Einkommen ab dem ersten Tag weg. Mehr dazu unter Krebs als Selbstständiger.
Phase 2: Krankengeld – die erste Einkommenslücke
Ab der siebten Woche zahlt die gesetzliche Krankenkasse Krankengeld:
- 70 Prozent des Bruttoentgelts, höchstens 90 Prozent des Nettoentgelts
- 2026 höchstens 135,63 Euro brutto pro Tag
- abzüglich Beiträgen zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung
- für dieselbe Krankheit höchstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren – die sechs Wochen Lohnfortzahlung zählen mit
Bei 3.500 Euro brutto und rund 2.300 Euro netto im Monat liegt das Krankengeld nach Abzügen grob bei 1.800 bis 1.850 Euro. Es fehlen also rund 450 bis 500 Euro im Monat – über ein Jahr mehr als 5.000 Euro. Genaue Berechnung im Artikel Krankengeld bei Krebs.
Phase 3: Wenn das Krankengeld endet
Viele Krebsbehandlungen sind nach 78 Wochen abgeschlossen. Wer dann aber noch nicht wieder arbeiten kann, wird „ausgesteuert“. Wichtige Anschlussleistungen:
- Arbeitslosengeld nach der Nahtlosigkeitsregelung (§ 145 SGB III), bis über eine Erwerbsminderung entschieden ist. Es muss rechtzeitig beantragt werden. Details unter Krankengeld ausgelaufen – wer zahlt?
- Erwerbsminderungsrente, wenn Sie dauerhaft weniger als sechs bzw. drei Stunden täglich arbeiten können. Die durchschnittliche volle Erwerbsminderungsrente liegt nur bei rund 1.100 Euro im Monat. Mehr unter Erwerbsminderungsrente wegen Krebs.
Zusatzkosten, die oft unterschätzt werden
| Kostenart | Beispiele | Entlastung |
|---|---|---|
| Zuzahlungen | 10 Euro pro Kliniktag, Medikamente, Heilmittel | Belastungsgrenze 1 % bei schwerwiegend chronisch Kranken – Zuzahlungsbefreiung |
| Fahrten | Chemotherapie, Bestrahlung, Nachsorge | Fahrkostenübernahme durch die Krankenkasse in bestimmten Fällen |
| Haushalt und Kinder | Haushaltshilfe, Betreuung | Haushaltshilfe der Krankenkasse unter Voraussetzungen |
| Hilfsmittel | Perücke, Prothesen, spezielle Kleidung | Zuschüsse der Kasse, Eigenanteile bleiben |
| Reha | 10 Euro pro Tag Zuzahlung | Befreiung oder Begrenzung möglich – Reha nach Krebs |
| Ernährung und Alltag | Nahrungsergänzung, Sport, Entspannungskurse | Meist selbst zu tragen |
Laufende Verpflichtungen: Kredit, Miete, Versicherungen
Kreditraten und Mieten passen sich nicht an ein geringeres Einkommen an. Wer eine Baufinanzierung bedient, sollte früh mit der Bank sprechen und prüfen, ob eine Restschuld- oder Arbeitsunfähigkeitsversicherung besteht. Tipps dazu im Artikel Krebs und laufende Kredite.
Welche Leistungen und Hilfen Sie kennen sollten
- Schwerbehindertenausweis: Bei Krebs meist Grad der Behinderung von mindestens 50 für die Zeit der Heilungsbewährung – mit Steuerfreibetrag, Zusatzurlaub und Kündigungsschutz. Mehr erfahren
- Steuerliche Entlastungen: Behinderten-Pauschbetrag, Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastung. Mehr erfahren
- Reha mit Übergangsgeld: Während einer Reha zahlt die Rentenversicherung in der Regel Übergangsgeld. Mehr erfahren
- Zuzahlungsbefreiung ab der Belastungsgrenze. Mehr erfahren
- Härtefonds der Deutschen Krebshilfe und weitere Hilfen in Notlagen. Mehr erfahren
Private Vorsorge: Was vor der Diagnose möglich ist
Alle gesetzlichen Leistungen haben eines gemeinsam: Sie fangen den Einkommensverlust nur teilweise auf. Private Absicherungen setzen früher und großzügiger an:
- Schwere-Krankheiten- bzw. Krebsversicherung: Einmalzahlung bei Diagnose, frei verwendbar. Mehr erfahren
- Berufsunfähigkeitsversicherung: monatliche Rente, wenn Sie Ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Vergleich
- Krankentagegeld: tägliche Zahlung bei Arbeitsunfähigkeit, besonders für Selbstständige. Mehr erfahren
Der entscheidende Punkt: Diese Versicherungen müssen abgeschlossen werden, solange Sie gesund sind. Nach einer Diagnose ist das in der Regel nicht mehr möglich.
Dann holen Sie sich früh Unterstützung: Der Sozialdienst der Klinik und die Krebsberatungsstellen helfen kostenlos bei Anträgen. Unser Artikel Krebsdiagnose – was jetzt? gibt einen Überblick über die wichtigsten organisatorischen Schritte.
Häufige Fragen
Wer zahlt meine Miete, wenn ich wegen Krebs nicht arbeiten kann?
Zunächst zahlt der Arbeitgeber sechs Wochen Gehalt, danach die Krankenkasse Krankengeld. Die Miete müssen Sie daraus selbst bestreiten. Reicht das Geld nicht, können je nach Situation Wohngeld, Bürgergeld oder eine einmalige Hilfe aus dem Härtefonds der Deutschen Krebshilfe infrage kommen.
Wie viel Geld verliert man bei Krebs durchschnittlich?
Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht, weil Einkommen, Dauer der Erkrankung und Versicherungssituation sehr unterschiedlich sind. Typisch ist: Mit Krankengeld fehlen bei Angestellten mehrere Hundert Euro im Monat, bei Selbstständigen ohne Absicherung kann das gesamte Einkommen wegfallen, und bei dauerhafter Erwerbsminderung sinkt das Einkommen oft auf etwa ein Drittel bis die Hälfte.
An wen kann ich mich für eine Sozialberatung wenden?
Kostenlose Beratung bieten der Sozialdienst der Klinik, Krebsberatungsstellen der Landeskrebsgesellschaften, der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums, Sozialverbände wie VdK und SoVD sowie die Beratungsstellen der Rentenversicherung.
Quellen
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche, rechtliche oder steuerliche Beratung. Sozialrechtliche Werte (z. B. Krankengeld, Pauschbeträge) gelten für 2026 und können sich ändern. Leistungen einer Schwere-Krankheiten- oder Krebsversicherung richten sich immer nach den Bedingungen des jeweiligen Tarifs.






