Herzinfarkt: Arbeitsunfähigkeit, Einkommen und Rückkehr in den Job

Mehr als 300.000 Menschen erleiden in Deutschland jedes Jahr einen Herzinfarkt – viele davon mitten im Berufsleben. Was nach der Akutbehandlung auf Betroffene zukommt: Arbeitsunfähigkeit, Reha, Einkommen und der Weg zurück in den Alltag.

Aktualisiert am 16. September 20263 Min. LesezeitRedaktion VorsorgeVergleich
Mann, der tagsüber auf der Straße geht
Foto: Jordan McQueen / Unsplash

Das Wichtigste in Kürze

  • In Deutschland erleiden jährlich mehr als 300.000 Menschen einen Herzinfarkt (Deutsche Herzstiftung).
  • Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist sehr unterschiedlich – von einigen Wochen bis zu vielen Monaten, abhängig von Schwere, Komplikationen und Beruf.
  • Direkt nach der Klinik folgt häufig eine kardiologische Anschlussreha.
  • Finanziell gelten dieselben Regeln wie bei anderen Erkrankungen: 6 Wochen Lohnfortzahlung, dann Krankengeld oder Übergangsgeld in der Reha.
  • Eine Schwere-Krankheiten-Versicherung zahlt bei einem versicherten Herzinfarkt eine Einmalsumme – auch bei schneller Rückkehr in den Job.

Herzinfarkt in Zahlen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören zu den häufigsten Gründen für eine Krankenhausbehandlung in Deutschland. Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung erleiden jährlich mehr als 300.000 Menschen einen Herzinfarkt. Laut Deutschem Herzbericht starben 2024 rund 41.000 Menschen daran. Die gute Nachricht: Dank schneller Versorgung überleben heute die allermeisten Betroffenen – und kehren in ein aktives Leben zurück.

Wie lange ist man nach einem Herzinfarkt arbeitsunfähig?

Eine feste Dauer gibt es nicht. Entscheidend sind unter anderem:

  • die Größe des Infarkts und ob der Herzmuskel dauerhaft geschädigt ist,
  • Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche,
  • die Behandlung, etwa Stent oder Bypass-Operation,
  • der Beruf – körperlich schwere Arbeit, Schichtdienst oder hohe Stressbelastung,
  • der Verlauf der Reha.

Die Spanne reicht von einigen Wochen bis zu vielen Monaten. In manchen Fällen ist eine Rückkehr in den bisherigen Beruf nicht mehr möglich.

Reha nach dem Herzinfarkt

Nach der Akutbehandlung schließt sich häufig eine kardiologische Anschlussrehabilitation an, ambulant oder stationär, meist über etwa drei Wochen. Sie umfasst dosiertes Training, Schulungen zu Medikamenten und Risikofaktoren, Ernährungs- und Rauchstopp-Beratung sowie psychologische Unterstützung. Die Rentenversicherung zahlt dabei in der Regel Übergangsgeld. Wie Reha-Antrag, Zuzahlung und Übergangsgeld funktionieren, ist im Artikel Reha nach Krebs beschrieben – die Regeln gelten für die kardiologische Reha entsprechend.

Einkommen nach dem Herzinfarkt

PhaseLeistungHöhe
erste 6 WochenLohnfortzahlungvolles Gehalt
RehaÜbergangsgeld der Rentenversicherung68 % bzw. 75 % einer Berechnungsgrundlage
danachKrankengeld70 % brutto, max. 90 % netto, 2026 max. 135,63 €/Tag, abzüglich Sozialabgaben
WiedereingliederungKrankengeld oder Übergangsgeldweiter wie oben
dauerhafte EinschränkungErwerbsminderungsrenteim Durchschnitt rund 1.100 € brutto bei voller Erwerbsminderung

Details zu Höhe, Dauer und typischen Fehlern: Krankengeld – Höhe und Dauer und Erwerbsminderungsrente.

Zurück in den Job

  • Stufenweise Wiedereingliederung: Mit wenigen Stunden beginnen und langsam steigern – Krankengeld oder Übergangsgeld laufen weiter.
  • Betriebliches Eingliederungsmanagement: Nach mehr als sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit muss der Arbeitgeber es anbieten.
  • Arbeitsplatz anpassen: weniger körperliche Belastung, keine Nachtschichten, flexible Zeiten.
  • Diagnose bleibt privat: Sie müssen sie nicht mitteilen.

Mehr zu Ihren Rechten im Artikel Krankheit und Job: Arbeitgeber, Kündigung, Wiedereinstieg.

Die finanzielle Lücke – auch bei schneller Genesung

Selbst wenn Sie nach wenigen Wochen zurück im Job sind, entstehen oft Folgekosten und Veränderungen: eine vorübergehende Reduzierung der Arbeitszeit, ein Jobwechsel in eine weniger belastende Tätigkeit, Kosten für Sport- und Präventionsangebote. Selbstständige verlieren schon in wenigen Wochen Umsatz.

Hier setzt die Schwere-Krankheiten-Versicherung an

Sie zahlt bei einem versicherten Herzinfarkt eine Einmalsumme – unabhängig davon, wie schnell Sie wieder arbeiten. Viele Tarife sichern zusätzlich Eingriffe wie eine Bypass-Operation oder Herzklappen-Operation ab. Welche Diagnosen typischerweise dazugehören, lesen Sie unter Welche Krankheiten sind versichert?

Vorbeugen: die wichtigsten Risikofaktoren

Rauchen, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Diabetes, Übergewicht und Bewegungsmangel erhöhen das Herzinfarktrisiko deutlich. Regelmäßige Check-ups – gesetzlich Versicherte haben ab 35 alle drei Jahre Anspruch auf eine Gesundheitsuntersuchung – helfen, Risiken früh zu erkennen. Und: Wer nicht raucht und gesund ist, bekommt auch bei Versicherungen die besten Konditionen.

Häufige Fragen

Wie lange ist man nach einem Herzinfarkt krankgeschrieben?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Nach einem kleineren Infarkt mit schneller Behandlung sind einige Wochen möglich, nach einem großen Infarkt mit Herzschwäche oder Komplikationen viele Monate. Auch der Beruf spielt eine Rolle: Schwere körperliche Arbeit erfordert oft eine längere Pause als eine Bürotätigkeit. Die Entscheidung treffen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte.

Bekomme ich nach einem Herzinfarkt einen Schwerbehindertenausweis?

Das hängt von den bleibenden Einschränkungen der Herzleistung ab, nicht vom Infarkt an sich. Bei deutlich eingeschränkter Belastbarkeit kann ein Grad der Behinderung von 50 oder mehr anerkannt werden.

Zahlt jede Schwere-Krankheiten-Versicherung bei Herzinfarkt?

Herzinfarkt ist in praktisch allen Tarifen versichert. Die Definitionen unterscheiden sich aber, etwa darin, welche Nachweise gleichzeitig vorliegen müssen. Ein Vergleich der Bedingungen lohnt sich.

Redaktion VorsorgeVergleich
Wir erklären Absicherung bei schweren Krankheiten verständlich und prüfen Zahlen und Regeln an offiziellen Quellen. Stand: September 2026.

Quellen

  1. Deutsche Herzstiftung: Herzinfarkt
  2. Deutsche Herzstiftung: Deutscher Herzbericht – Update 2025
  3. Bundesministerium für Gesundheit: Krankengeld
  4. Deutsche Rentenversicherung: Übergangsgeld

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche, rechtliche oder steuerliche Beratung. Sozialrechtliche Werte (z. B. Krankengeld, Pauschbeträge) gelten für 2026 und können sich ändern. Leistungen einer Schwere-Krankheiten- oder Krebsversicherung richten sich immer nach den Bedingungen des jeweiligen Tarifs.