Erblicher Brustkrebs: Wann der BRCA-Gentest sinnvoll ist und wer ihn bezahlt

Etwa jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Bei einem kleinen Teil steckt eine vererbte Genveränderung dahinter – dann ist das Risiko um ein Vielfaches höher. Wann ein Gentest sinnvoll ist und wie es danach weitergeht.

Aktualisiert am 16. September 20263 Min. LesezeitRedaktion VorsorgeVergleich
Mutter wischt Tochter auf dem Sofa die Nase mit Taschentuch ab
Foto: Vitaly Gariev / Unsplash

Das Wichtigste in Kürze

  • Etwa 5 bis 10 Prozent aller Brustkrebserkrankungen gehen auf eine erbliche Genveränderung zurück, am häufigsten in BRCA1 oder BRCA2.
  • Mit einer BRCA1-Veränderung liegt das Lebenszeitrisiko für Brustkrebs bei rund 70 Prozent, für Eierstockkrebs bei rund 40 Prozent.
  • Die gesetzliche Krankenkasse zahlt Beratung und Test, wenn bestimmte Kriterien in der Familie erfüllt sind – etwa drei Frauen mit Brustkrebs auf einer Seite.
  • Der Test erfolgt nach genetischer Beratung, meist in einem spezialisierten Zentrum.
  • Bei positivem Befund: intensivierte Früherkennung ab jungen Jahren und Beratung zu vorbeugenden Operationen.

BRCA1 und BRCA2: Was dahintersteckt

BRCA1 und BRCA2 sind Gene, die normalerweise helfen, Schäden im Erbgut zu reparieren. Ist eines davon verändert, funktioniert diese Reparatur schlechter – und das Risiko für bestimmte Krebsarten steigt deutlich. Die Veränderung wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent an Kinder weitergegeben, unabhängig vom Geschlecht.

Neben BRCA1 und BRCA2 gibt es weitere Risikogene, zum Beispiel PALB2, CHEK2 oder ATM. Sie werden bei einer Testung heute meist mit untersucht.

Wie stark ist das Risiko erhöht?

Risiko, bis zum 80. Lebensjahr an Brustkrebs zu erkranken
Frauen allgemeinca. 12 %
mit BRCA1-Veränderungca. 72 %
mit BRCA2-Veränderungca. 69 %

Quelle: Kuchenbaecker et al., JAMA 2017. Durchschnittswerte aus einer großen Studie.

AllgemeinbevölkerungBRCA1BRCA2
Brustkrebs bis 80 Jahreca. 12 %ca. 72 %ca. 69 %
Eierstockkrebs bis 80 Jahreca. 1–2 %ca. 44 %ca. 17 %

Die Werte sind Durchschnittswerte aus großen Studien. Das individuelle Risiko hängt auch von der Familiengeschichte und weiteren Faktoren ab.

Wann die Krankenkasse den Test bezahlt

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen Beratung und Gentest, wenn in einer Linie der Familie (mütterlicher- oder väterlicherseits) mindestens eines dieser Kriterien erfüllt ist:

  • mindestens drei Frauen mit Brustkrebs, unabhängig vom Alter
  • mindestens zwei Frauen mit Brustkrebs, davon eine vor dem 51. Geburtstag
  • mindestens eine Frau mit Brustkrebs und eine mit Eierstockkrebs
  • mindestens zwei Frauen mit Eierstockkrebs
  • eine Frau mit Brust- und Eierstockkrebs
  • eine Frau mit Brustkrebs vor dem 36. Geburtstag
  • eine Frau mit beidseitigem Brustkrebs, der erste vor dem 51. Geburtstag
  • mindestens ein Mann mit Brustkrebs und eine Frau mit Brust- oder Eierstockkrebs

Weitere Konstellationen, etwa bei triple-negativem Brustkrebs in jungen Jahren, können ebenfalls ausreichen. Die spezialisierten Zentren prüfen das im Einzelfall.

So läuft es ab

  1. Familiengeschichte aufschreiben: Wer war betroffen, welche Krebsart, in welchem Alter?
  2. Mit Frauen- oder Hausarztpraxis sprechen und Überweisung zu einem Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs erhalten.
  3. Genetische Beratung: Risikoeinschätzung, Aufklärung über Bedeutung und Folgen eines Tests. Sie entscheiden danach in Ruhe.
  4. Testung: Idealerweise wird zuerst eine bereits erkrankte Person getestet, weil ein Befund dort aussagekräftiger ist.
  5. Ergebnisgespräch und Planung der nächsten Schritte.

Was nach einem positiven Befund möglich ist

  • Intensivierte Früherkennung: in der Regel ab 25 Jahren mit jährlicher MRT und Ultraschall der Brust, später ergänzt durch Mammografie – in spezialisierten Zentren.
  • Vorbeugende Operationen: Entfernung des Brustdrüsengewebes oder der Eierstöcke und Eileiter senken das Risiko deutlich. Die Entscheidung ist sehr persönlich und braucht ausführliche Beratung.
  • Information der Familie: Geschwister und Kinder können sich ebenfalls beraten lassen.
Sie müssen nichts entscheiden

Es gibt ein Recht auf Nichtwissen. Manche Menschen möchten ihr Risiko genau kennen, andere nicht. Beides ist legitim. Eine gute genetische Beratung hilft, die eigene Antwort zu finden – ohne Druck.

Finanzielle Vorsorge bei familiärem Risiko

Wer in der Familie Brustkrebs erlebt hat, denkt oft auch über die finanziellen Folgen nach. Wichtig zu wissen: Eine Krebsversicherung für Frauen ist in der Regel möglich, solange Sie selbst nicht erkrankt sind. Viele Tarife fragen nicht nach Erkrankungen von Angehörigen – und Ergebnisse genetischer Tests dürfen bei solchen Verträgen nicht verlangt werden.

Häufige Fragen

Kann auch ein Mann BRCA-Träger sein?

Ja. Männer können die Veränderung genauso erben und an ihre Kinder weitergeben. Ihr eigenes Risiko für Brustkrebs, Prostatakrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs ist erhöht, aber deutlich geringer als das von Frauen für Brustkrebs.

Was bedeutet ein negatives Testergebnis?

Wenn in Ihrer Familie eine bestimmte Veränderung bekannt ist und Sie diese nicht tragen, entspricht Ihr Risiko meist dem der Allgemeinbevölkerung. Ist in der Familie keine Veränderung bekannt, schließt ein negatives Ergebnis ein erhöhtes familiäres Risiko nicht vollständig aus.

Muss ich das Testergebnis einer Versicherung mitteilen?

Nach dem Gendiagnostikgesetz dürfen Versicherer Ergebnisse genetischer Tests grundsätzlich nicht erfragen oder verwerten. Ausnahme: Lebens-, BU-, Erwerbsunfähigkeits- und Pflegerentenversicherungen mit mehr als 300.000 Euro Leistung oder mehr als 30.000 Euro Jahresrente.

Wie lange dauert es bis zum Ergebnis?

Nach der Blutabnahme dauert die Analyse meist einige Wochen. Das Ergebnis wird in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt und erklärt.

Redaktion VorsorgeVergleich
Wir erklären Absicherung bei schweren Krankheiten verständlich und prüfen Zahlen und Regeln an offiziellen Quellen. Stand: September 2026.

Quellen

  1. Deutsches Konsortium Familiärer Brust- und Eierstockkrebs: Kriterien für die Gentestung
  2. DKFZ Krebsinformationsdienst: Brustkrebs – Risikofaktoren und erbliche Belastung
  3. Kuchenbaecker et al., JAMA 2017: Risks of Breast, Ovarian, and Contralateral Breast Cancer for BRCA1 and BRCA2 Mutation Carriers
  4. Gesetze im Internet: § 18 Gendiagnostikgesetz

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche, rechtliche oder steuerliche Beratung. Sozialrechtliche Werte (z. B. Krankengeld, Pauschbeträge) gelten für 2026 und können sich ändern. Leistungen einer Schwere-Krankheiten- oder Krebsversicherung richten sich immer nach den Bedingungen des jeweiligen Tarifs.