Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll? Für wen, ab wann und worauf es ankommt

Die Berufsunfähigkeitsversicherung gilt als eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt. Doch sie ist nicht billig und nicht für jeden erreichbar. Für wen sie sich lohnt, wann Sie abschließen sollten und welche Vertragsdetails wirklich zählen.

Aktualisiert am 16. September 20263 Min. LesezeitRedaktion VorsorgeVergleich
Mann im Anzug arbeitet an einem Laptop am Schreibtisch
Foto: Vitaly Gariev / Unsplash

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine BU ist sinnvoll für alle, die von ihrem Arbeitseinkommen leben – besonders mit Familie oder Kredit.
  • Sie zahlt eine monatliche Rente, wenn Sie Ihren Beruf voraussichtlich mindestens sechs Monate zu mindestens 50 Prozent nicht ausüben können.
  • Am günstigsten ist der Abschluss jung und gesund – schon in Ausbildung oder Studium.
  • Wichtige Vertragsdetails: Verzicht auf abstrakte Verweisung, Laufzeit bis zum Rentenalter, Nachversicherungsgarantie, Leistung ab Beginn.
  • Klappt die BU nicht, gibt es Alternativen – zum Beispiel die Schwere-Krankheiten-Versicherung.

Was die Berufsunfähigkeitsversicherung leistet

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) zahlt eine vereinbarte monatliche Rente, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen voraussichtlich für mindestens sechs Monate zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben können. Die Ursache spielt keine Rolle: Krankheit, Unfall, psychische Erkrankung oder Kräfteverfall.

Genau das unterscheidet sie von der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente, die nur zahlt, wenn Sie irgendeine Tätigkeit nicht mehr ausüben können – und dann meist deutlich weniger.

Für wen ist eine BU sinnvoll?

  • Angestellte und Selbstständige, die von ihrem Einkommen leben
  • Auszubildende und Studierende – günstige Beiträge sichern sich früh die besten Konditionen
  • Familien und Alleinverdiener, bei denen andere vom Einkommen abhängen
  • Menschen mit Baufinanzierung oder anderen langfristigen Verpflichtungen

Weniger dringend ist sie für Menschen, die über großes Vermögen verfügen, kurz vor dem Ruhestand stehen oder bereits über eine sehr gute Absicherung verfügen.

Wie wahrscheinlich ist Berufsunfähigkeit?

Häufig wird zitiert, dass etwa jeder vierte Erwerbstätige vor dem Rentenalter berufsunfähig wird. Die genaue Quote hängt von Beruf, Alter und Definition ab. Klar ist: Die häufigsten Ursachen sind nicht Unfälle, sondern Krankheiten. 2025 gingen laut Auswertungen der Versicherer 39 Prozent der Leistungsfälle auf psychische Erkrankungen zurück, 18 Prozent auf den Bewegungsapparat und 16 Prozent auf Krebs.

Ab wann abschließen?

Je früher, desto besser – aus zwei Gründen:

  1. Beitrag: Das Eintrittsalter bestimmt den Beitrag über die gesamte Laufzeit.
  2. Gesundheit: Mit jedem Jahr steigt die Wahrscheinlichkeit von Diagnosen, Therapien und Behandlungen, die die Annahme erschweren – vom Bandscheibenvorfall bis zur Psychotherapie.

Viele Tarife bieten Schülern, Auszubildenden und Studierenden günstige Einstiegslösungen mit späterer Erhöhungsmöglichkeit ohne neue Gesundheitsprüfung.

Die wichtigsten Vertragsdetails

MerkmalDarauf achten
Abstrakte VerweisungVerzicht auf abstrakte Verweisung
Laufzeitmöglichst bis zum Renteneintritt, mindestens bis 65
Prognosezeitraum6 Monate statt längerer Zeiträume
Rückwirkende LeistungLeistung ab Beginn der Berufsunfähigkeit, auch bei verspäteter Meldung
NachversicherungsgarantieErhöhung ohne Gesundheitsprüfung bei Heirat, Geburt, Hauskauf, Gehaltssprung
ArbeitsunfähigkeitsklauselLeistung schon bei längerer Krankschreibung
DynamikBeitrags- und Leistungsdynamik gegen Inflation
BeitragsstabilitätAbstand zwischen Zahlbeitrag und Bruttobeitrag

Wenn es mit der BU nicht klappt

Vorerkrankungen, ein körperlich belastender Beruf oder das Alter können die BU unbezahlbar machen oder zur Ablehnung führen. Dann gibt es Alternativen:

Ausführlich unter BU abgelehnt oder zu teuer – diese Alternativen gibt es.

BU und Schwere-Krankheiten-Versicherung ergänzen sich

Die BU sichert den langfristigen Einkommensverlust ab, die Schwere-Krankheiten-Versicherung schafft sofort nach einer Diagnose Spielraum – auch wenn Sie weiterarbeiten oder die BU-Prüfung noch läuft. Den direkten Vergleich finden Sie unter BU oder Krebsversicherung?

Häufige Fragen

Wie hoch sollte die BU-Rente sein?

Als Faustregel gelten 70 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens, damit Fixkosten, Krankenversicherung und Altersvorsorge weiter bezahlt werden können. Bedenken Sie, dass die BU-Rente je nach Vertragsart teilweise versteuert werden muss.

Brauchen Beamte eine BU?

Beamte sind über die Dienstunfähigkeit abgesichert, die aber in den ersten Dienstjahren oft gering ausfällt. Eine private Dienstunfähigkeitsversicherung oder eine BU mit Dienstunfähigkeitsklausel kann diese Lücke schließen.

Kann ich eine BU auch mit 40 oder 50 noch abschließen?

Ja, das ist möglich, aber teurer, und die Wahrscheinlichkeit von Vorerkrankungen ist höher. Ab einem bestimmten Alter wird es schwierig, eine lange Laufzeit zu vereinbaren. Dann können ergänzende Bausteine wie eine Schwere-Krankheiten-Versicherung sinnvoll sein.

Was bedeutet abstrakte Verweisung?

Bei einer abstrakten Verweisung könnte der Versicherer Sie auf einen anderen Beruf verweisen, den Sie theoretisch noch ausüben könnten – auch wenn Sie ihn gar nicht ausüben. Gute Tarife verzichten darauf. Das ist heute Standard, sollte aber geprüft werden.

Redaktion VorsorgeVergleich
Wir erklären Absicherung bei schweren Krankheiten verständlich und prüfen Zahlen und Regeln an offiziellen Quellen. Stand: September 2026.

Quellen

  1. Gesetze im Internet: § 172 VVG – Berufsunfähigkeitsversicherung
  2. Verbraucherzentrale: Welche Versicherung brauche ich?
  3. Die Versicherer (GDV): Die häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche, rechtliche oder steuerliche Beratung. Sozialrechtliche Werte (z. B. Krankengeld, Pauschbeträge) gelten für 2026 und können sich ändern. Leistungen einer Schwere-Krankheiten- oder Krebsversicherung richten sich immer nach den Bedingungen des jeweiligen Tarifs.