Krankentagegeld für Angestellte: Die Lücke ab der 7. Krankheitswoche schließen

Sechs Wochen zahlt der Arbeitgeber das volle Gehalt weiter. Danach übernimmt die Krankenkasse – mit deutlich weniger Geld. Wie groß die Lücke wirklich ist und wie Sie sie schließen können.

Aktualisiert am 16. September 20263 Min. LesezeitRedaktion VorsorgeVergleich
Junge Frau, die an einem Schreibtisch mit Laptop und Laptop arbeitet
Foto: Vitaly Gariev / Unsplash

Das Wichtigste in Kürze

  • In den ersten sechs Wochen gibt es Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber.
  • Ab der 7. Woche zahlt die Krankenkasse Krankengeld: 70 Prozent des Bruttos, höchstens 90 Prozent des Nettos – 2026 maximal 135,63 Euro pro Tag vor Abzügen.
  • Von Krankengeld gehen noch Sozialversicherungsbeiträge ab. Die Lücke liegt oft bei 20 bis 30 Prozent, bei Gutverdienern mehr.
  • Ein privates Krankentagegeld als Zusatzversicherung schließt diese Lücke – für Angestellte oft schon für wenige Euro im Monat.
  • Krankengeld gibt es für dieselbe Krankheit höchstens 78 Wochen in drei Jahren – danach hilft nur noch eine andere Absicherung.

Die drei Phasen bei langer Krankheit

ZeitraumWer zahltWie viel
Woche 1–6Arbeitgeber100 % des Gehalts
ab Woche 7 bis max. 78 WochenKrankenkasseKrankengeld: 70 % brutto, max. 90 % netto, abzüglich Sozialbeiträge
danachggf. Rentenversicherung oder ArbeitsagenturErwerbsminderungsrente oder Arbeitslosengeld – oft deutlich weniger

Die 78 Wochen zählen ab Beginn der Arbeitsunfähigkeit – die sechs Wochen Entgeltfortzahlung sind also bereits eingerechnet. Was danach passiert, erklärt der Artikel Krankengeld ausgelaufen – wie geht es weiter?

Ein Rechenbeispiel

Beispiel: 4.000 Euro brutto, Steuerklasse I

Netto etwa 2.600 Euro im Monat. Krankengeld: 70 % von 4.000 Euro = 2.800 Euro, aber höchstens 90 % vom Netto = rund 2.340 Euro. Nach Abzug der Sozialbeiträge von etwa 12 Prozent bleiben rund 2.050 Euro. Die monatliche Lücke: gut 500 Euro. Nach einem Jahr Krankheit fehlen so mehr als 5.000 Euro.

Wie Krankentagegeld die Lücke schließt

4.000 € brutto, Steuerklasse I, Monatswerte, vereinfacht

Nettogehalt2.600 €
Nur Krankengeld2.050 €
Krankengeld + 18 € Tagegeld2.590 €
KrankengeldLückeprivates Krankentagegeld (30 Tage × 18 €)

Bei Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze (2026: 5.812,50 Euro brutto im Monat) wächst die Lücke deutlich, weil das Krankengeld gedeckelt ist.

So funktioniert privates Krankentagegeld

  • Sie vereinbaren einen Tagessatz, zum Beispiel 20 Euro.
  • Die Zahlung beginnt ab einem festgelegten Karenztag – für Angestellte meist ab dem 43. Tag.
  • Voraussetzung ist Arbeitsunfähigkeit mit ärztlicher Bescheinigung.
  • Die Leistung endet in der Regel, wenn Berufsunfähigkeit festgestellt wird.

Weil die ersten sechs Wochen ohnehin abgedeckt sind, ist Krankentagegeld für Angestellte vergleichsweise günstig. Gesundheitsfragen werden aber auch hier gestellt.

Achtung: Ende bei Berufsunfähigkeit

Stellt der Versicherer Berufsunfähigkeit fest, endet das Krankentagegeld – oft genau dann, wenn eine Krankheit länger dauert. Ohne BU-Versicherung kann dann eine große Lücke entstehen. Krankentagegeld ersetzt die BU deshalb nicht, es ergänzt sie.

Für wen es sich besonders lohnt

  • Gutverdienende nahe oder über der Beitragsbemessungsgrenze
  • Alleinverdiener und Familien mit Kredit
  • Menschen ohne Rücklagen für mehrere Monate

Bei schweren Krankheiten wie Krebs dauert die Arbeitsunfähigkeit oft viele Monate. Ergänzend zum Krankentagegeld schafft eine Krebsversicherung mit ihrer Einmalzahlung zusätzlichen Spielraum – etwa für Haushaltshilfe, Kinderbetreuung oder eine Reduzierung der Arbeitszeit nach der Rückkehr.

Häufige Fragen

Wie berechne ich meine Krankengeld-Lücke?

Krankengeld beträgt 70 Prozent des Bruttoentgelts bis zur Beitragsbemessungsgrenze, höchstens 90 Prozent des Nettos. Davon werden Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung abgezogen. Vergleichen Sie das Ergebnis mit Ihrem Nettogehalt – die Differenz ist Ihre Lücke. Viele Krankenkassen bieten Rechner an.

Wie hoch sollte das Krankentagegeld sein?

So hoch, dass Krankengeld plus Krankentagegeld zusammen etwa Ihr Nettoeinkommen erreichen. Versicherer begrenzen die Summe, damit niemand im Krankheitsfall mehr bekommt als bei der Arbeit.

Brauchen auch Menschen mit kleinem Einkommen ein Krankentagegeld?

Bei niedrigen Einkommen ist die Lücke prozentual kleiner, weil die 90-Prozent-Netto-Grenze greift. Trotzdem können auch 200 oder 300 Euro weniger im Monat über viele Monate schwer wiegen, wenn keine Rücklagen vorhanden sind.

Redaktion VorsorgeVergleich
Wir erklären Absicherung bei schweren Krankheiten verständlich und prüfen Zahlen und Regeln an offiziellen Quellen. Stand: September 2026.

Quellen

  1. Gesetze im Internet: § 47 SGB V – Höhe und Berechnung des Krankengeldes
  2. Gesetze im Internet: § 48 SGB V – Dauer des Krankengeldes
  3. Verbraucherzentrale: Krankengeld – ab wann und wie viel

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche, rechtliche oder steuerliche Beratung. Sozialrechtliche Werte (z. B. Krankengeld, Pauschbeträge) gelten für 2026 und können sich ändern. Leistungen einer Schwere-Krankheiten- oder Krebsversicherung richten sich immer nach den Bedingungen des jeweiligen Tarifs.