Das Wichtigste in Kürze
- Konkrete Angebote helfen mehr als „Melde dich, wenn du was brauchst“.
- Praktische Hilfe entlastet enorm: Kochen, Fahrten, Kinderbetreuung, Einkäufe, Haustiere.
- Bei Arztgesprächen hilft eine Begleitperson, die zuhört und mitschreibt.
- Finanzielle und bürokratische Fragen – Krankengeld, Schwerbehindertenausweis, Reha – sind oft eine große Belastung. Hier können Sie unterstützen.
- Achten Sie auf sich selbst: Krebsberatungsstellen beraten auch Angehörige, kostenlos.
Was Betroffene sich wünschen
Menschen mit Krebs berichten oft, dass sich ihr Umfeld nach der Diagnose verändert: Manche melden sich plötzlich nicht mehr, weil sie unsicher sind. Andere überschütten sie mit Ratschlägen. Was die meisten brauchen, ist einfacher: Menschen, die da bleiben – und die fragen, statt zu vermuten.
Praktische Hilfe: konkret statt allgemein
„Sag Bescheid, wenn du etwas brauchst“ ist gut gemeint, legt die Verantwortung aber zurück zu der erkrankten Person. Besser sind konkrete Angebote:
- „Ich koche am Donnerstag für euch mit – was esst ihr gern?“
- „Ich fahre dich nächste Woche zur Chemo und warte dort.“
- „Ich hole die Kinder am Dienstag und Freitag von der Schule ab.“
- „Ich gehe am Wochenende mit dem Hund.“
- „Ich kümmere mich um den Rasen, solange du in Behandlung bist.“
Wenn viele helfen wollen, entlastet eine Person, die koordiniert – etwa mit einer gemeinsamen Liste oder einer Gruppe im Messenger. So muss die erkrankte Person nicht jede Anfrage einzeln beantworten.
Bei Arztterminen begleiten
In Arztgesprächen fallen viele Informationen auf einmal – und unter Anspannung bleibt wenig hängen. Als Begleitung können Sie:
- vorab gemeinsam Fragen notieren,
- während des Gesprächs mitschreiben,
- nachfragen, wenn etwas unklar bleibt,
- danach gemeinsam sortieren, was besprochen wurde.
Klären Sie vorher, welche Rolle die erkrankte Person sich wünscht. Entscheidungen trifft sie selbst.
Bei Anträgen und Geld unterstützen
Neben der Behandlung kommt eine Welle von Bürokratie: Krankengeld, Zuzahlungsbefreiung, Schwerbehindertenausweis, Reha-Antrag, Gespräche mit dem Arbeitgeber. Viele Betroffene haben dafür schlicht keine Kraft. Hilfreiche Artikel dazu:
- Krebsdiagnose – was jetzt zu tun ist
- Krankengeld bei Krebs
- Schwerbehindertenausweis bei Krebs
- Finanzielle Hilfe bei Krebs
Der Sozialdienst der Klinik und Krebsberatungsstellen helfen kostenlos bei Anträgen.
Emotional begleiten
- Zuhören ist wichtiger als die richtigen Worte. Mehr dazu unter Was sagt man bei einer Krebsdiagnose?
- Gefühle zulassen – Angst, Wut, Trauer, aber auch Humor.
- Keine Wunderheilmittel empfehlen und keine Schuldfragen stellen.
- Normalität anbieten: gemeinsame Serien, Spaziergänge, Gespräche über andere Themen.
- Dranbleiben: Nach der Akutphase ziehen sich viele zurück. Gerade dann ist Unterstützung wertvoll.
Auf sich selbst achten
Angehörige tragen oft eine enorme Last – und stellen die eigenen Bedürfnisse zurück. Das geht eine Zeit lang gut, aber nicht auf Dauer. Nehmen Sie Hilfe an, sprechen Sie mit anderen und nutzen Sie Beratungsangebote. Wenn Sie beruflich kürzertreten müssen: Welche Möglichkeiten es gibt, lesen Sie unter Angehöriger hat Krebs: Freistellung vom Job.
Krebsinformationsdienst des DKFZ: 0800 420 30 40, täglich 8–20 Uhr
INFONETZ KREBS der Deutschen Krebshilfe: 0800 80 70 88 77, Mo–Fr 8–17 Uhr
Regionale Krebsberatungsstellen beraten Betroffene und Angehörige.
Häufige Fragen
Soll ich den Patienten auf die Krankheit ansprechen?
Ja, aber ohne Druck. Signalisieren Sie, dass Sie da sind und zuhören, wenn die Person reden möchte – und akzeptieren Sie, wenn sie gerade über etwas ganz anderes sprechen will. Viele Betroffene schätzen Normalität.
Was schenkt man jemandem mit Krebs?
Am wertvollsten sind oft Zeit und Entlastung: ein Gutschein für Essen, Fahrdienste oder Putzhilfe, ein Hörbuch für lange Therapiesitzungen, weiche Mütze oder Pflegeprodukte für empfindliche Haut. Blumen sind in manchen Therapiephasen wegen Infektionsgefahr nicht erlaubt – fragen Sie vorher nach.
Wo bekommen Angehörige Hilfe?
Bei regionalen Krebsberatungsstellen, beim Krebsinformationsdienst des DKFZ (kostenlos unter 0800 420 30 40), in Selbsthilfegruppen für Angehörige und bei psychoonkologischen Angeboten der Kliniken.
Quellen
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche, rechtliche oder steuerliche Beratung. Sozialrechtliche Werte (z. B. Krankengeld, Pauschbeträge) gelten für 2026 und können sich ändern. Leistungen einer Schwere-Krankheiten- oder Krebsversicherung richten sich immer nach den Bedingungen des jeweiligen Tarifs.






