Welche Versicherungen braucht man wirklich? Die Rangfolge – und welches Risiko Sie selbst tragen können

Viele Haushalte sind gleichzeitig über- und unterversichert: Handy, Brille und Reisegepäck sind abgesichert, der Verlust des Einkommens nicht. Die einfache Regel dahinter – und eine klare Rangfolge von über 20 Versicherungen.

Aktualisiert am 16. September 20264 Min. LesezeitRedaktion VorsorgeVergleich
eine Reihe farbiger Ordner auf einem Regal
Foto: (Augustin-Foto) Jonas Augustin / Unsplash

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Grundregel: Versichern Sie, was Sie ruinieren könnte – tragen Sie selbst, was Sie verkraften.
  • Unverzichtbar: Krankenversicherung (Pflicht), Privathaftpflicht, Kfz-Haftpflicht (für Halter), Wohngebäude (für Eigentümer).
  • Sehr wichtig für Berufstätige: Absicherung der Arbeitskraft – BU oder Alternativen. Mit Familie zusätzlich Risikolebensversicherung.
  • Meist sinnvoll: Hausrat, Auslandsreisekrankenversicherung, Absicherung schwerer Krankheiten, je nach Situation Krankentagegeld.
  • Meist verzichtbar: Handy-, Brillen-, Glas-, Reisegepäck-, Sterbegeld- und Krankenhaustagegeldversicherung.

Das Prinzip: Schadenshöhe schlägt Wahrscheinlichkeit

Eine Versicherung ist ein Tausch: Sie zahlen einen sicheren, kleinen Betrag, damit Ihnen ein unsicherer, großer Verlust abgenommen wird. Im Durchschnitt zahlen Versicherte dabei mehr ein, als sie herausbekommen – sonst könnten Versicherer nicht wirtschaften. Das lohnt sich deshalb nur dort, wo ein Schaden Sie finanziell überfordern würde.

Zwei Fragen helfen bei jeder Police:

  1. Wie hoch ist der größtmögliche Schaden? Nicht der typische, sondern der schlimmste realistische Fall.
  2. Könnte ich diesen Schaden aus eigenen Mitteln tragen, ohne dass Wohnung, Altersvorsorge oder Familie in Gefahr geraten?
Kleiner SchadenExistenzbedrohender Schaden
Häufigselbst tragen – z. B. kaputtes Handy, Brille, Fahrradreparaturunbedingt versichern – z. B. Einkommensverlust durch Krankheit
Seltenselbst tragen – z. B. zerbrochene Glasplatte, verlorener Kofferunbedingt versichern – z. B. Haftpflichtschaden mit Personenschaden, Hausbrand, Tod des Hauptverdieners

Die rechte Spalte entscheidet. Wie wahrscheinlich ein Schaden ist, bestimmt vor allem den Preis – ob Sie ihn versichern sollten, bestimmt seine Höhe.

Welches Risiko können Sie selbst tragen?

Das hängt von Ihren Rücklagen und Verpflichtungen ab. Eine grobe Orientierung:

  • Notgroschen aufbauen: Drei bis sechs Monatsausgaben auf dem Tagesgeldkonto. Alles, was diesen Betrag nicht sprengt, müssen Sie in der Regel nicht versichern.
  • Selbstbeteiligungen nutzen: Wer 300 Euro selbst tragen kann, spart bei Hausrat, Wohngebäude oder Kasko oft deutlich Beitrag.
  • Wiederkehrende Einkommensverluste nie selbst tragen: Ein Schaden, der Monat für Monat über Jahre wirkt – etwa fehlendes Einkommen –, übersteigt fast jede Rücklage.
  • Verantwortung für andere erhöht den Bedarf: Mit Kindern, Partner ohne eigenes Einkommen oder Kredit sinkt die Schwelle, ab der ein Schaden existenziell wird.
Rechenbeispiel: Einkommen vs. Hausrat

Der Hausrat einer Mietwohnung ist vielleicht 40.000 Euro wert – ein Totalschaden ist selten, aber möglich. Das Nettoeinkommen einer 35-Jährigen mit 2.500 Euro im Monat bis zur Rente beträgt dagegen fast 1 Million Euro. Beide Risiken verdienen Schutz, doch viele Haushalte haben eine Hausratversicherung – und keine Absicherung ihrer Arbeitskraft.

Die Rangfolge im Überblick

Von existenziell bis verzichtbar

Von oben nach unten absichern – erst die großen Risiken, dann die kleinen.

1 · UnverzichtbarKrankenversicherung, Privathaftpflicht, Kfz-Haftpflicht, Wohngebäude
2 · Existenziell für BerufstätigeBerufsunfähigkeit oder Alternativen, Risikoleben mit Familie
3 · Meist sinnvollHausrat, Auslandsreise-KV, Schwere Krankheiten
4 · Je nach LebenslageRechtsschutz, Pflegezusatz, Unfall, Zahnzusatz
5 · Meist verzichtbarHandy, Brille, Glas, Reisegepäck

Stufe 1: Unverzichtbar

VersicherungFür wenWarum
Krankenversicherungallegesetzliche Pflicht
PrivathaftpflichtallePersonenschäden können Millionen kosten; Beitrag oft unter 100 € im Jahr
Kfz-HaftpflichtFahrzeughaltergesetzliche Pflicht
Wohngebäude inkl. ElementarschutzHaus- und Wohnungseigentümerder Verlust der Immobilie wäre existenziell; Banken verlangen sie
TierhalterhaftpflichtHunde- und Pferdehalternicht über Privathaftpflicht gedeckt, für Hunde in mehreren Bundesländern Pflicht

Stufe 2: Existenziell wichtig, wenn Sie vom Einkommen leben

VersicherungFür wenWarum
BerufsunfähigkeitErwerbstätige, Azubis, Studierendeschützt das größte Vermögen: Ihr künftiges Einkommen
Alternativen: Grundfähigkeit, Erwerbsunfähigkeit, Schwere Krankheitenwenn die BU nicht möglich oder bezahlbar istbesser eine Teilabsicherung als keine
RisikolebensversicherungFamilien, Paare mit Kredit, Alleinerziehendesichert Hinterbliebene und Darlehen ab
KrankentagegeldSelbstständige, privat Versicherteohne Lohnfortzahlung fehlt ab dem ersten Krankheitstag Einkommen

Stufe 3: Meist sinnvoll

VersicherungFür wenEinordnung
Hausratdie meisten Haushaltesinnvoll, wenn Sie Ihre Einrichtung nach Brand oder Einbruch nicht aus Rücklagen ersetzen könnten; bei sehr wenig Besitz verzichtbar
Auslandsreisekrankenversicherungalle, die ins Ausland reisenkostet oft nur wenige Euro im Jahr; die gesetzliche Kasse zahlt keinen Rücktransport und außerhalb Europas meist nichts
Schwere-Krankheiten-VersicherungFamilien, Kreditnehmer, Selbstständige, Menschen ohne BUEinmalzahlung bei Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall – auch ergänzend zur BU, weil sie unabhängig von der Arbeitsfähigkeit zahlt
Krankentagegeld für AngestellteGutverdiener, Alleinverdienerschließt die Lücke zwischen Krankengeld und Netto
KinderinvaliditätsversicherungFamiliensichert Kinder bei bleibenden Schäden durch Unfall und Krankheit ab
Kfz-Vollkaskoneue oder finanzierte Autosbei älteren Autos mit geringem Wert oft verzichtbar

Stufe 4: Je nach Lebenslage

VersicherungEinordnung
Rechtsschutzkann bei Streit im Arbeits- oder Mietrecht helfen; viele Ausschlüsse und Wartezeiten, Gewerkschaften und Mietervereine bieten teils Alternativen
Pflegezusatzversicherungmeist erst in der zweiten Lebenshälfte ein Thema; nur abschließen, wenn der Beitrag dauerhaft bezahlbar ist
Private Unfallversicherungfür Kinder, Senioren, Selbstständige ohne BU oder bei riskanten Hobbys; kein Ersatz für eine BU
Zahnzusatzversicherungkann sich bei absehbarem Zahnersatz lohnen; Wartezeiten und Leistungsbegrenzungen in den ersten Jahren beachten
Reiserücktrittbei teuren, lange im Voraus gebuchten Reisen; bei günstigen Reisen selbst tragen
Bauherrenhaftpflicht / Bauleistungwährend einer Bauphase wichtig

Stufe 5: Meist verzichtbar

VersicherungWarum
Handy-, Laptop-, Elektronikversicherungkleiner Schaden, hohe Beiträge, viele Ausschlüsse
BrillenversicherungSchaden lässt sich selbst tragen
GlasversicherungSchäden meist gering
Reisegepäckversicherungviele Ausschlüsse, Hausrat deckt teils im Rahmen der Außenversicherung
Sterbegeldversicherungoft zahlt man mehr ein als ausgezahlt wird; besser: gezielt sparen
Krankenhaustagegeldzahlt nur wenige Tage, das eigentliche Risiko liegt in langer Arbeitsunfähigkeit
Private Arbeitslosenversicherungkurze Leistungsdauer, viele Einschränkungen
Die unterschätzte Lücke: schwere Krankheit

Die typische Versicherungsmappe enthält Haftpflicht, Hausrat und vielleicht eine Unfall- oder Handyversicherung – aber nichts für den Fall, dass eine schwere Krankheit das Einkommen wegbrechen lässt. Dabei erkrankt fast jeder zweite Mensch in Deutschland im Laufe seines Lebens an Krebs, und Unfälle verursachen nur einen kleinen Teil aller Berufsunfähigkeiten. Wer hier umschichtet, gewinnt oft deutlich mehr Sicherheit für dasselbe Geld.

Nach Lebenssituation

SituationZuerstDann
Ausbildung, StudiumHaftpflicht (ggf. über Eltern), Auslandsreise-KVArbeitskraft früh und günstig absichern
Single, berufstätig, MietwohnungHaftpflicht, BU oder AlternativeHausrat, Auslandsreise-KV, Schwere Krankheiten
Paar / Familiezusätzlich Risikoleben für beideSchwere Krankheiten, Kinderinvalidität – mehr dazu
HauskaufWohngebäude + Elementar, RisikolebenEinkommensabsicherung passend zur Kreditrate – mehr dazu
SelbstständigKrankentagegeld, BUSchwere Krankheiten, Berufshaftpflicht – mehr dazu
Ab 50bestehenden Schutz prüfen, Laufzeiten anpassenPflegezusatz, Risikoleben an Restschuld anpassen

In drei Schritten zum passenden Schutz

  1. Bestandsaufnahme: Alle Verträge mit Beitrag und Leistung auflisten.
  2. Aussortieren: Policen der Stufe 5 und doppelte Deckungen kündigen – das Geld wird frei für die großen Risiken.
  3. Lücken schließen: von oben nach unten, beginnend bei Haftpflicht und Arbeitskraft. Einen Überblick über die Absicherung von Einkommen bietet Arbeitskraft absichern.

Häufige Fragen

Wie viel Geld sollte man für Versicherungen ausgeben?

Eine feste Quote gibt es nicht. Entscheidend ist die Reihenfolge: Erst wenn die existenziellen Risiken abgedeckt sind, lohnt sich Geld für kleinere Policen. Oft lässt sich die Absicherung der Arbeitskraft allein dadurch finanzieren, dass überflüssige Kleinversicherungen gekündigt werden.

Welche Selbstbeteiligung ist sinnvoll?

Eine Selbstbeteiligung, die Sie problemlos aus Rücklagen zahlen können, senkt den Beitrag oft spürbar – etwa 150 bis 500 Euro bei Hausrat, Wohngebäude oder Kasko. Kleine Schäden melden Sie dann ohnehin nicht, und der Vertrag schützt vor dem, wofür er gedacht ist: großen Schäden.

Welche Deckungssumme braucht die Privathaftpflicht?

Personenschäden können sehr teuer werden, etwa wenn ein Mensch dauerhaft pflegebedürftig wird. Häufig empfohlen werden mindestens 10 Millionen Euro pauschal für Personen- und Sachschäden. Der Mehrbeitrag gegenüber niedrigeren Summen ist meist gering.

Wie oft sollte ich meine Versicherungen überprüfen?

Bei jedem großen Lebensereignis – Berufsstart, Umzug, Heirat, Kinder, Hauskauf, Selbstständigkeit, Gehaltssprung – und sonst etwa alle zwei bis drei Jahre.

Brauchen junge Erwachsene schon eigene Versicherungen?

In Ausbildung oder Erststudium sind viele noch über die Privathaftpflicht der Eltern mitversichert – prüfen Sie die Bedingungen. Wichtig ist früh die Absicherung der Arbeitskraft, weil sie in jungen Jahren am günstigsten und am leichtesten zu bekommen ist.

Redaktion VorsorgeVergleich
Wir erklären Absicherung bei schweren Krankheiten verständlich und prüfen Zahlen und Regeln an offiziellen Quellen. Stand: September 2026.

Quellen

  1. Verbraucherzentrale: Welche Versicherung brauche ich?
  2. Verbraucherzentrale: Zum Start in Ausbildung oder Job – welche Versicherungen brauche ich?
  3. Verbraucherzentrale: Wohngebäudeversicherung – ein absolutes Muss
  4. Verbraucherzentrale: Private Unfallversicherung – überflüssig oder sinnvoll?
  5. Die Versicherer (GDV): Die häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche, rechtliche oder steuerliche Beratung. Sozialrechtliche Werte (z. B. Krankengeld, Pauschbeträge) gelten für 2026 und können sich ändern. Leistungen einer Schwere-Krankheiten- oder Krebsversicherung richten sich immer nach den Bedingungen des jeweiligen Tarifs.